Zinsausblick: Im Basisszenario laufen die Hypothekenzinsen bis zum Jahr 2021 seitwärts

Zinsausblick: Im Basisszenario laufen die Hypothekenzinsen bis zum Jahr 2021 seitwärts

Statement Deutsche Bank, DB Research Management

22.04.20

Im Jahr 2008 begann die Talfahrt der Hypothekenzinsen. Von über 5% fielen die 5–10-jährigen Hypothekenzinsen (Benchmark der EZB) auf fast 1% im Jahr 2019. Der kräftige Rückgang der Zinsen und der Mangel an Anlagealternativen haben die Kreditvergabe kräftig angekurbelt. Das Neukreditgeschäft boomte bis zum Ausbruch der Corona-Krise und aufgrund der leicht rückläufigen Tilgungs-raten erhöht sich das ausstehende Kreditvolumen rasant. Temporär nahm das Hypothekenkreditvolumen im Jahr 2019 um 10% gegenüber Vorjahr zu.12 Nicht nur die Hypothekenzinsen gaben kräftig nach, sondern auch die 10jährigen Swap-Sätze. Diese notieren nahe null und lagen im Jahr 2019 und auch in den Hauptkrisenmonaten der Pandemie temporär im negativen Bereich. Diese Tief-punkte sind eine direkte Folge der erneuten geldpolitischen Lockerung und der Wiederaufnahme der EZB-Anleihekäufe am 1. November 2019 sowie in der Corona-Krise ab März 2020. Insgesamt kauft die EZB bis zum Jahresende 2020 Anleihen in Höhe von rund EUR 100 Mrd. pro Monat. Auch im Anschluss spricht eine Reihe von Argumenten gegen ein baldiges Zurückfahren oder gar einen Verzicht auf weitere Nettoanleihekäufe. Die Folgen der Corona-Krise werden noch viele Jahre niedrige Zinsen nötig machen. Aber selbst in dem eher un-wahrscheinlichen Fall, dass die EZB eine weniger expansive Geldpolitik an-strebt und die Nettoanleihekäufe herunterfährt, dürfte sie an der Reinvestition auslaufender Anleihen sehr lange festhalten. Somit bleibt sie auf absehbare Zeit der dominante Käufer im Staatsanleihenmarkt und das Niedrigzinsumfeld be-steht fort. Die schon vor der Corona-Krise hohe Anzahl an notleidenden Kredi-ten auf den Bilanzen insbesondere vieler südeuropäischer Banken, die träge wirtschaftliche Dynamik in der Eurozone und die vielen politischen Konflikte schließen zumindest auf kurze Sicht eine Zinswende aus. Aufgrund der negati-ven wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise ist eher mit noch unortho-doxeren Maßnahmen zu rechnen. Dies wird wohl umso wahrscheinlicher, je schwerwiegender die ökonomischen Auswirkungen der aktuellen Krise sind. Ins-besondere die Staatsverschuldung und der Arbeitsmarkt in Südeuropa stehen im Fokus. In diesem Umfeld dürfte die Inflation noch einige Zeit das EZB-Ziel „von nahe, aber unter 2%“ unterschreiten. Die impliziten Inflationserwartungen der Finanzmärkte preisen über Jahre keine höhere Inflation ein und sind in der Corona-Krise abgestürzt. Ebenso erwarten die meisten von der EZB regelmäßig befragten Ökonomen über die nächsten beiden Jahre eine deutliche Zielunter-schreitung.13 Wir prognostizieren für das Jahr 2020 und 2021 eine Inflationsrate von lediglich 0,4% und 1,1%. Aufgrund dieses Umfelds erwarten wir14 bis Jah-resende 2021 seitwärts laufende Hypothekenzinsen bei etwas mehr als 1% und auch die Swap-Sätze dürften sich nur langsam von der Nulllinie wegbewegen.15Hierfür spricht auch der Spread zwischen den 5-10jährigen Hypothekenzinsen und Swap-Sätzen, der nach einem steilen Anstieg auf ein neues Allzeithoch in der Jahresmitte 2019 von über 140 Basispunkten (Bp) in den letzten Monaten wieder deutlich zurückgegangen ist und sich langfristig wohl wieder zweistelli-gen Werten nähern dürfte (langfristiger Median 85 Bp).

  30. April 2020
  Kategorie: Allgemein
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